85 Jahre und immer noch aktiv im Unternehmen

Wie kann jemand mit Schrauben, solch schlichten Dingen von geringem Wert, Milliarden verdienen? 
Reinhold Würth würde darauf antworten: Die ganze Welt würde in sich zusammenbrechen, wenn Sie überall die Schrauben herausdrehen.

Reinhold Würth machte aus einem kleinen Familienbetrieb einen Milliardenkonzern. Am 20.04.2020 feierte er seinen 85. Geburtstag. Zeit aufzuhören ist aber noch lange nicht.

Wie kann jemand mit Schrauben, solch schlichten Dingen von geringem Wert, Milliarden verdienen? 
Reinhold Würth würde darauf antworten: Die ganze Welt würde in sich zusammenbrechen, wenn Sie überall die Schrauben herausdrehen.

Und doch, er lässt sich nicht gerne „Schraubenkönig“ nennen. 
Ein König bräuchte, so Würth, Untertanen und Schrauben leben nicht. Er möchte kein König sein. Das er augenblicklich der siebtreichste Deutsche ist, ist ihm schlicht egal.

Das Reichtum nicht alltäglich ist, hat Würth bereits früh erfahren. Nach nur 8 Jahren auf der allgemeinbildenden Schule holte ihn sein Vater ins elterliche Unternehmen zur Lehre. Bereits fünf Jahre später starb der Vater.Ein Schock für den 19-jährigen Reinhold. Und gerade deswegen macht er weiter. 
Schnell erwies er sich als Verkaufstalent. Aus dem Betrieb mit 2 Angestellten baute er einen weltbekannten Konzern, der 2019 mehr als 14 Milliarden Euro umsetzte.

Der Vertrieb war schon immer Reinhold Würths große Stärke. Jahrelang war er selber als Verkäufer unterwegs. Ein Beruf der, nicht nur ein Job, sondern vor allem auch Berufung gewesen sei. 
”Der Verkäuferberuf ist der schönste auf der ganzen Welt, weil Sie permanent mit allen Sorten von Menschen, die auf Gottes Erdboden leben, in Kontakt kommen”, betonte Würth. Er habe sich eine hervorragende Menschenkenntnis aneignen können, das wäre sein größter Vorteil gewesen. 
”Wenn man wie ich mit Tausenden von Menschen zu tun hat, merkt man schnell, was man von den Leuten zu halten hat: Ob man vorsichtig sein muss oder nicht, ob es sich um einen Großsprecher oder um einen Bescheidenen handelt, wer ein Choleriker ist und bei wem man das Wort nicht ganz ernst nehmen sollte.” Er betonte:

 ” Als Verkäufer lernen Sie,  Blender zu enttarnen. 

Auch heute ist für ihn vollkommen klar, den größte Anteil am rasanten Wachstum der vergangenen Jahrzehnte trägt der Außendienst.
“Der Außendienst ist zu 90 Prozent für den Erfolg des ganzen Unternehmens verantwortlich. Dahinter kommen die Informatiker mit fünf Prozent, und der ganze Rest kommt auch nochmal auf fünf Prozent”, so Würth zur Deutschen Presse-Agentur. Er betonte: “Am wichtigsten sind die Verkäufer: Denn wenn die Außendienstler zwei Tage lang im Bett bleiben, wäre unser Betrieb tot. Und wenn keine Aufträge mehr kommen, dann haben die ganzen Leute hier nichts mehr zu tun, dann können sie heimgehen.“

Sein Konzern ist heute breiter aufgestellt, als jemals zuvor. 
Über die Jahre hat er sich Standbeine in unterschiedlichsten Branchen aufgebaut. Nach wie vor liegt die Hauptarbeit allerdings im Montage- und Handwerksbereich. Zu Gründerzeiten auf Schrauben spezialisiert, bietet Würth heute u.a. auch Werkzeuge, Elektronik-Bauteile und Elektrogeräte oder chemische Produkte an. Die Hälfte des Umsatzes macht das Unternehmen mit dem Verkauf an Profis. Dazu gehören vor allem Handwerks- und Industriebetriebe. Im Kerngeschäft bietet Würth mehr als 125.000 Artikel an. Knapp 34.000 der mehr als 78.600 Würth-Mitarbeiter sind Verkäufer im Außendienst.

Doch trotz aller Erfolge ist Reinhold Würth sich selbst treu geblieben. Auch heute noch begleitet er gerne ab und zu die Außendienstler bei Firmenbesuchen. Die Atmosphäre bei diesen Terminen habe aber wenig mit dem Verkaufsalltag zu tun. “Ich muss zugeben, dass das inzwischen eher Kino ist: Die Verkäufer kündigen bei unseren Kunden schon vorab an, dass sie nächstes Mal den alten Würth mitbringen. Dann hängen die Kunden extra die Würth-Fahnen raus und die Frau backt einen Kuchen”, berichtete Würth. “Unter unseren Verkäufern wird es mit Schmunzeln und Wohlwollen zur Kenntnis genommen, dass der alte Gnom da immer noch ein bisschen im Außendienst mitmischen will.“

Was viele junge Verkäufer vergessen sei, der beste Verkäufer ist nicht derjenige, der am besten reden könne, sondern derjenige, der am besten zuhöre. “Ich habe bei uns im Unternehmen viele Verkäufer erlebt, die extrem unsicher waren, die anfangs schon rot geworden sind, wenn man sie nur angeguckt hat, und die eine Riesenangst vor Kundenbesuchen hatten. Dennoch wurden einige von ihnen großartige Verkäufer, weil sie zuhören konnten”, sagte Würth.
Gerade diese Nicht-Zuhören-Können sei ein großes Problem der deutschen Gesellschaft. “Jeder redet und keiner hört mehr zu. Wenn Sie in einer Gruppe von zehn Leuten zusammensitzen, werden Sie das merken: Acht oder neun Leute reden, allenfalls einer hört zu.“

So hat Reinhold Würth das Unternehmen über die Jahre geprägt. Die Werte, die er von seinem Vater gelehrt bekommen hatte und das tiefe Bewusstsein seiner eigenen, einfach Herkunft prägen die Werte und den Umgangston im Unternehmen.

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