Aus dem Hamsterrad entkommen – Im Gespräch mit Wilko Sehring

Das Problem ist bekannt: Junge Selbstständige mit einigen Mitarbeitern, die sich in ihren Aufgaben verzetteln und nicht weiter kommen. Wilko Sehring wollte es anders machen – erfolgreich!
Im Gespräch mit Mr. Mittelstand erzählt er von seinen Erfahrungen.

“Warum habe ich mich selbstständig gemacht? Die einfachste Antwort: Ich habe als Angestellter einfach nichts mehr getaugt” Der sympathische 26 jährige Unternehmer lacht. “Ich konnte es einfach nicht verstehen, warum ich pünktlich Feierabend machen sollte. Ich hatte noch genug Power um den ganzen Abend weiter zu arbeiten. Und die passenden Ideen dazu hatte ich auch.”
Und so wagte Wilko Sehring den Schritt. 2019 startete er die “Sehring Garten- und Landschaftsbau GmbH” in Langen, mitten im Rhein-Maingebiet.
Im persönlichem Gespräch erzählt er uns von seinen Erfahrungen als Unternehmer.  

Noch während Sehring in der Unternehmensgründung war, kamen die ersten Aufträge rein. Voller Vorfreude machte er sich an die Arbeit. Bis dann der erste große Auftrag im März 2019 vereinbart wurde. Hier reichten seine Kapazitäten nicht mehr aus. Er stellte die ersten drei Mitarbeiter ein.

“Eigentlich lief es sogar zu gut. Ich hatte viel zu viele Aufträge. Dann stolperte ich auf Facebook über eine Anzeige von Matthias Aumann.”
Sehring sah sich die Anzeige des Coaches an – und stufte Aumann direkt als Hochstapler ein. “Es gibt so viele, die von sich sagen, sie hätten viel aufgebaut. Ich dachte zuerst, das wäre alles gefälscht.” Drei Tage später erhielt er erneut eine Anzeige für das Coaching. Jetzt wurde er stutzig.
“Als ich mich genauer mit dem Unternehmen >>aumann:grün<< von Matthias Aumann auseinander setzte, sah ich, dass er Mitglied im Bundesverband Garten- und Landschaftsbau ist und auch den Taspo-Award erkannte ich wieder.” Sehring setzte sich mit den Inhalten des Coachings auseinander und war begeistert.

In seinem Betrieb gab es zu diesem Zeitpunkt eine Schieflage. ”Um mich herum herrschte Chaos. Ich war derjenige, der für alles zuständig war. Immer klingelte mein Telefon. Tausende Fragen von Mitarbeitern: Wo ist mein Material? Was soll ich dem Kunden sagen? Das Auto muss in die Werkstatt.”
Er wusste gar nicht, wo er zuerst anpacken sollte.

Zuerst etwas skeptisch, schloss Sehring dann ein Ein-Jahres-Coaching ab.
“Ich sagte damals zu meiner Frau: Schau mal wie unsere Bekannten rumrennen, die selbstständig sind. Die sind nur am arbeiten und stecken total in ihrem Tagesgeschäft fest. Ich will nicht in einem Jahr auf mich schauen und sehen, dass ich in demselben Hamsterrad gefangen bin.” 

Mitarbeiter von Sehring Garten- und Landschaftsbau im Einsatz.
Quelle: Sehring Garten und Landschaftsbau GmbH

Die Entscheidung hat sich gelohnt, wie er selbst sagt. Heute ist sein Betrieb so durchstrukturiert, dass er ohne Probleme auch drei Wochen in Urlaub fahren könnte.
Die Mitarbeiter haben ein Handbuch, in der für alle Aufgaben genaue Abläufe festgehalten sind. “Wenn das Auto streikt, wissen sie welche Werkstatt sie anfahren müssen und wenn ein Kunde eine Sonderanforderung hat, wissen sie, wie sie darauf reagieren sollen.”
Selbst das Materiallager hat ein eigenes Ordnungssystem. Vom Angebot bis zur Rechnung sind es dadurch nur wenige Schritte. “Für jede Baustelle gibt es einzelne Pläne in speziellen Ordnern. Ich kann somit jeden Mitarbeiter auf die Baustelle schicken. Er muss sich nur den Ordner ansehen und weiß ganz genau was zu tun ist.” Das Handbuch hat er gemeinsam mit seiner Frau geschrieben – in den Flitterwochen auf Sansibar. “Wir lagen am Strand und haben uns Gedanken über die Firma gemacht. Das war eben der einzige Zeitpunkt, wo wir beide gemeinsam die Zeit dazu hatten”.

Der engagierte Unternehmer sagt von sich selbst, dass seine größte Schwäche die moderne Technik ist. Und trotzdem generiert er heute über Facebook und Instagram einen Großteil seiner Aufträge. Jeden Tag füllt er die Facebook-Story mit dem, was er und seine Mitarbeiter machen. Die Kunden können die Arbeit vor Ort live miterleben.
Jacqueline Sehring, die Ehefrau von Wilko Sehring, hat das Marketing fest im Griff. Sie kümmert sich um sämtliche Online- und Offlineauftritte. Zusätzlich verschickt sie jede Woche dutzende Werbebriefe. Drei Tage nach Versand ruft sie die Empfänger an und bietet die Dienstleistungen noch einmal direkt an. “Immer häufiger kommen wir schon gar nicht mehr zu dem Anruf. Die Kunden sind so begeistert, dass sie sich von alleine melden”, bewertet Wilko Sehring diese Methode. Das Unternehmen macht mittlerweile so viel Werbung von sich, dass die Kunden zuerst verdutzt sind, wenn sie auf das Firmengelände kommen. “ Die meisten denken, wir sind ein riesiges Unternehmen, aufgrund der vielen Werbung. Aber meine Einstellung ist einfach: Wenn die Industrieunternehmen 25% ihres Gewinns wieder in das Marketing stecken, dann dürfen wir Handwerksbetriebe uns nicht mit 5% zufrieden geben. Wir sollten von den Großen lernen.”

Das Wilko Sehring heute vor allem auf Großbaustellen zu finden ist, war eigentlich nicht sein Plan. “Ich habe damals die ersten Kunden im Bereich Bau bekommen. In Zukunft möchte ich aber vor allem die Gartenpflege ausbauen.”

Dank der guten Strukturierung können alle Aufträge in Eigenverantwortlichkeit durch die qualifizierten Mitarbeiter professionell durchgeführt werden.
Quelle: Sehring Garten- und Landschaftsbau GmbH

Das aufgrund der Corona-Krise die meisten Deutschen zu Hause bleiben, ist deutlich zu spüren. “Die Leute haben so viel Zeit. Und die nutzen sie um den Garten zu machen.” Er bekommt immer mehr Anrufe, die sein spezielles Modell der Gartenpflege im Abo nachfragen. Kunden zahlen einen festen Monatsbetrag und Sehring und seine Mitarbeiter pflegen den Garten, das ganze Jahr über. “Mittlerweile bekommen wir so viele Anfragen, dass wir nun tatsächlich lukrativ arbeiten können. Einige Unternehmen bieten ihre Dienstleistungen vor allem im Bereich Bau für einen Billiglohn an. Unsere Qualität spricht für uns und um gute Löhne zu zahlen, muss auch ein gewisser Umsatz reinkommen. Heute habe ich weniger einzelne Aufträge, aber insgesamt mehr Umsatz.”

Heute beschäftigt er sechs Mitarbeiter. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Bewerbungen für Mitarbeiter in der Gartenpflege. Er sieht positiv in die Zukunft. “Am Ende des Jahres werden wir 15 Mitarbeiter sein und der Schwerpunkt wird mit 60% auf der Gartenpflege liegen”.

Das er sich so entwickeln konnte, führt Sehring vor allem auf das Coaching von Matthias Aumann zurück. “Es ist schon so, dass ich dort die Strategien gelernt habe, mit denen ich meinen Betrieb organisieren kann. Die Systeme und Prozesse habe ich mir von Matthias abgeschaut. Auch im Marketing sind meine Frau und ich fit geworden, weil das Team mir da bei allen Fragen weitergeholfen hat. Vor allem aber, finde ich es gut, dass ich bei Matthias mit anderen Unternehmern ins Gespräch kommen kann. Viermal in der Woche gibt es Live-Calls über Zoom, bei denen ich alle Fragen loswerden kann.”

Mit der Zeit hat sich Wilko Sehring ein Netzwerk von gleichgesinnten Unternehmern aufgebaut. Im Juli geht es mit den neuen Freunden auf ein intensives Wochenende zum gemeinsamen Austausch ins Allgäu.
“Das ist eigentlich das Beste an der Sache: Ich treffe endlich Unternehmer, die so denken wie ich. Die etwas aufbauen wollen und dafür auch Risiken eingehen.”

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